Zu Beginn des Jahres 1920 schien kein Anlass gegeben, die Ruhe des gemächlich auf einem Hügel nahe des Hohen Venns gelegenen Dorfes Francorchamps zu stören. Wenn sich da nicht, eines schönen Sommertags, zwei in Motorsportkreisen wohlbekannte Persönlichkeiten, der Direktor der Zeitung "La Meuse", Jules de Thier, und der Vorsitzende der Sportkommission des R.A.C.B., Henri Langlois Van Ophem, im Hotel des Bruyères einquartiert und die Idee geschmiedet hätten, die Strassenverbindungen der Orte Francorchamps, Stavelot und Malmedy zu nutzen, um eine Autorennstrecke zu konzipieren. Umso mehr, als diese Strassen in der hügeligen und grünen Ardennenlandschaft auch viele gradlinige Strassenteile aufwiesen, die hohe Geschwindigkeiten erlaubten. Zudem befand sich ganz in der Nähe der wegen seiner Thermalbäder auch international bekannte Kurort Spa, wo bereits seit mehreren Jahren erfolgreiche Automobilrennen stattfanden. Die neue Strecke schien somit zahlreiche Vorteile aufzuweisen die zum Erfolg führen könnten und gleich wurde für das darauf folgende Jahr ein Rennen eingeplant.
Leider konnte dieses für August 1921 vorgesehene Autorennen mangels genügender Teilnehmerzahl nicht stattfinden.
Es war in der Tat alles vorbereitet, aber nach Anmeldeschluss hatte sich nur ein einziger Rennfahrer auf der Teilnehmerliste eingetragen. So wurde die Rennstrecke schlussendlich von den Motorradfahrern eingeweiht und das Autorennen wurde auf 1922 verschoben.
1924 wurden zum ersten Mal die berühmten 24-Stunden von Francorchamps durchgeführt, nur ein Jahr nach dem gleichnamigen Rennen in Le Mans. Das erste wirklich große Rennen für Einsitzer, der Große Preis von Europa, das auch international Anklang fand, hat 1925 stattgefunden.
Sieben Rennwagen waren am Start und Sieger wurde der berühmte Fahrer Antonio Ascari auf Alfa Romeo.
|
|
In der Zeit der mitzwanziger Jahre bis kurz vor dem 2. Weltkrieg bestand das Wettkampfprogramm der Rennstrecke im Wesentlichen aus dem Grossen Preis für Motorräder und den prestigeträchtigen Autorennen, die 24 Stunden von Francorchamps und der große Preis von Belgien. Auch der Streckenverlauf änderte sich in dieser Zeit sehr wenig im Verhältnis zum Beginn. Dann jedoch kam die große Neuerung des Jahres 1939, als in Francorchamps eine einzigartige, künstlich angelegte Kurve mit Namen "Raidillon" geschaffen wurde. Dieses Hindernis war dazu bestimmt, mit sehr hoher Geschwindigkeit durchfahren zu werden und ließ bereits erahnen, welche Zukunftsperspektive die Macher der Rennstrecke im Visier hatten: sie sollte zu einer der schnellsten in Europa werden, im Gegensatz zu der Eifelstrecke bei ihren deutschen Nachbarn, die zwar auch sehr spektakulär ist, wegen der vielen Kurven aber zu den langsamsten gehört. Während sieben langer Jahre war der Rennbetrieb dann auf Grund der Kriegsereignisse, die auch die Ardennen nicht verschont haben, unterbrochen. Erst 1947 konnten die Rennaktivitäten im Eau Rouge-Gelände wieder aufgenommen werden.
Wiederum waren es die Prestigewettbewerbe, der Große Preis für Motorräder und Automobile, die das Programm bestimmten, mit gelegentlich einem 24- Stunden-Rennen des R.A.C.B. welches ab 1964 wieder jährlich veranstaltet wurde. In der Folge wurde das Programm durch weitere Rennen ergänzt. So organisierte z.B. Ende der fünfziger Jahre der R.A.C. Spa den Grand Prix von Spa und später, zu Beginn der siebziger Jahre, (mot supprimé)der R.A.C. Junior, die 24 Stunden für Motorräder. Offensichtlich schien sich alles reibungslos weiterzuentwickeln, jedoch nur bis(mot supprimé) 1970, als der Große Preis der F1 zum letzten Mal auf der langen Strecke von 14 km stattfand. Auf Grund der Beschwerden aus den sechziger Jahren, wollte eine gewisse Anzahl von Grand-Prix-Fahrern aus Sicherheitsgründen nicht mehr in Francorchamps an den Start gehen. Kein leichtes Problem für die Verantwortlichen des Gemeindezweckverbandes.
Der Ton war indessen vorgegeben. Obwohl die anderen üblicherweise angesetzten Rennen weiterhin stattfanden, wurde es offensichtlich, dass die 14 km-Strecke sehr gefährlich geworden war, im Verhältnis zu den Leistungssteigerungen der Rennmaschinen. Auch bestanden kaum Möglichkeiten die Straßenränder der Rennstrecke genauso zu sichern, wie dies andernorts bei Streckenneubauten erfolgte. Das Ende der großen Zeit von Francorchamps zeichnete sich ab. Gegenmaßnahmen waren nötig, um den Rennbetrieb zu erhalten und eine Rennbahn zu schaffen, die den Sicherheitskriterien, die von den Grand-Prix-Fahrern gefordert wurden, besser entsprach. So wurde letztlich unter verschiedenen Projekten, bei denen es darum ging, die wesentlichen Eigenschaften der Strecke zu erhalten und dennoch gewisse hochgefährliche Bereiche (im Wesentlichen im Abschnitt zwischen Les Combes und Blanchimont) auszuschließen, ein neuer Streckenverlauf ausgewählt und dessen Bau in Angriff genommen.
Die Einweihung dieses 7 km langen Rings erfolgte 1979. Die neue Rennbahn ist technischer und kurvenreicher, jedoch mit großzügigen Freiräumen an den Streckenrändern versehen, und die wesentlichen Teilstücke, die zu ihrem Bekanntheitsgrad beigetragen haben, konnten erhalten werden. Sie bietet mehr Sicherheit für die Piloten und gewinnt an Anziehungskraft für die Zuschauer. Dank dieser Änderung an der Fahrstrecke konnte der Formel 1 Grand Prix von Belgien, das herausragende Ereignis der Motorsportsaison, bald wieder nach Francorchamps zurückgeholt werden. Zudem hatte dies zur Folge, dass nun eine ganze Anzahl weiterer Veranstaltungen dort stattfand, die zwar weniger medienwirksam waren, jedoch stark dazu beigetragen haben, der Rennstrecke eine neue Dynamik zu geben, das Angebot zu erweitern und auch auf internationaler Ebene in den Vordergrund zu rücken.
|
 |
|